6.2. Team Krankenseelsorge

 
Lukas 9: 1Jesus rief seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen die Kraft und die Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und Krankheiten zu heilen. 2 Er beauftragte sie, überall die Botschaft vom Gottes Reich zu verkünden und die Kranken gesund zu machen (vgl. Markus 6,7ff; Matthäus 10,5ff./10,9f ).
 
In diesem Sinne kann Krankensalbung, ob in der Kirchengemeinde oder in Einrichtungen wie Krankenhaus und Altenpflegeheim gespendet, nur sinnvoll eingebettet im Kontext einer gesamten Klinikseelsorge und gemeindlichen Krankenpastoral geschehen. Dazu gehören die wichtigen Elemente: Kranke besuchen, rituell-spirituelle Begleitung, Beziehungsarbeit auch mit An- und Zugehörigen und die Begegnung bzw. Absprache mit den therapeutisch-medizinischen Berufen. Zunehmend treten Prävention und öffentliche Gesundheitsvorsorge (Gesundheit im Sinne der UNO-Definition körperlich, psychisch, geistig-spirituell) in den Blickpunkt, um im Krankheitsfall den christlichen Auftrag zu erfüllen. Darum sind heute Akquise und Öffentlichkeitsarbeit, Information wie Aufklärung, Volksbildung neben dem biblischen Auftrag und der kirchlichen Sendung konstitutiv für eine christliche Krankenpastoral, die nicht nur in der Gemeinde, sondern auch in karitativen Einrichtungen stattfindet und Menschen an Andersorten (Geh-Struktur) aufsucht. – Im Zusammenhang einer Krankenpastoral bedarf es verstärkte Bewusstseinsbildung, dass das Sakrament der Krankensalbung nicht ausschließlich ein Sterbesakrament („Letzte Ölung“, die am liebsten erst im letzten Moment in Anspruch genommen wird) ist, sondern ein Sakrament der Stärkung, der Heil-werdung des (phys., psych., psychosozial, spirituell) kranken Menschen, die zu jedem Zeitpunkt möglich ist. Dazu gehört auch eine Sterbe- und Trauerbegleitung, doch diese darf nicht allein bestimmend sein und ist ein Teilbereich. Die Altenarbeit oder das Wirken des Caritasverbandes hat ebenso wie die Trauerarbeit mit der Krankenpastoral ihre Schnittflächen, fällt aber keineswegs ineins damit. 

Ziele / Zielgruppe

Mit diesem Ansatz ist eine erheblich größere Zielgruppe als die Kranken selbst gegeben:
  • Alle Altersklassen: Kranke und psychische/physische/spirituelle Hilfsbedürftige
  • Zu- und Angehörige aus dem Umfeld von Kranken und Bedürftigen
  • Pflege-, medizinisches, therapeutisches Personal
  • Ehrenamtliche Helfer

Inhalte/ Tätigkeiten/ Maßnahmen, die sich aus den Zielen ergeben

  • Besuche wie auch offene Begegnungsmöglichkeiten
  • Heilwerdungsrituale
  • Bildungsangebote und Schulungsarbeit (z.B. Pflegeschulen) zu Themen wie Advance Care Planing (u.a. Patientenverfügung), Medizinethische Fragen, palliativ Angebote (ambulant / stationär), Rituale, Krankensalbung und Wegzehrung, Spirituelle Dimensionen, Schmerz / Leid / Sterben / Trauer / Tod / Verlust…
  • Sterbebegleitung und Trauerarbeit (Vernetzung mit dem Thementeam Trauer)
  • Erreichbarkeit von Seelsorge / Rufbereitschaft, die in akuten und konzentrierten Fällen eine schnelle, verlässliche und professionelle Hilfe wie Unterstützung ermöglicht

Bedarf an Räumlichkeiten

  • Sekretariat zur Anmeldung als Information-, Anlauf- und Vermittlungsstelle (IAV-Stelle)
  • Ansonsten: trotzdem es sich i.d.R. um Haus- und Einrichtungsbesuche handelt, braucht es auch Vortrags- und Begegnungsräume für Angehörige und Berufliche Gruppen
  • Ein Liturgischer Raum für Salbung und gemeinschaftliche Heilwerdungsrituale in der Gemeinde / Gruppe / Einrichtung
  • In den Einrichtungen wie Krankenhäuser, Wohngruppen, Pflegeheimen oder Hospizen: Segnungsraum oder Ruheraum (Rückzugsorte; Andersorte)
  • Niederschwellige Begegnungsräume: eine Seelsorgebank oder feste Präsenzen an festen Orten und Zeiten

Personelle Ressourcen (haupt- und ehrenamtlich)

  • Möglichkeitsmacher, Klinikseelsorgende, Krankenseelsorge (ehren- und hauptamtlich) brauchen eine professionelle Person, die in de Pfarrei NEU zur Verfügung steht (eine 100-Prozent-Stelle für „Krankenseelsorge“) und auch vernetzend wirkt (zu Caritasverband / -einrichtungen; Diakonie; Krankenhäuser; Ökumene….)
  • Sakramentenspender: solange die Krankensalbung an die Person eines Priesters gebunden ist, braucht es mehrere dafür freigestellte (40%) Priester in mindestens 4 Regionen der Stadt (lange Wege)
  • Sekretär:in, die in der Pfarrei Neu zur Verfügung steht, für die IAV-Stelle (s.o. Räumlichkeiten)
  • Personen mit spezieller Zusatzausbildung, ähnlich wie in der Klinikseelsorge die Klinische Seelsorgeausbildung (KSA)

Finanzielle Ressourcen

  • Büro- und Fahrtkosten
  • Ausstattung Raum und liturgische Geräte („Seelsorgekisten“)
  • Personelle Freistellungen bzw. Beauftragungen / Stellenbeschreibungen
  • Schulungsarbeit der Mitarbeitenden
  • Supervision / geistliche Begleitung
  • Infobroschüren, Internet-Präsenz, regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit (Kommunikationsbeauftragung)
Erarbeitet von Barbara Kraus, Christian Nötzel, Jörg Lichtenberg